News – Dynafit Double8 Expedition: Trauriges Ende eines Speedski-Rekordversuchs am "Platz der Heiligen"

von | 03. Oktober 2014 | Allgemein

Benedikt Böhm, Basti Haag, Andrea Zambaldi sowie der befreundete Bergsteiger Martin Maier (40) sind Mitte August in den Himalaya gestartet, um im Zuge der „Double8 Expedition“ die beiden Achttausender Shisha Pangma (8.027m) und Cho Oyu (8.201m) im Speedski-Stil zu besteigen. Nach einem ersten gescheiterten Versuch kam es am Morgen des 24. September 2014 knapp unterhalb des Gipfels zu einem tragischen Lawinenunglück, bei dem Haag und Zambaldi von den Schneemassen begraben wurden. Bisher konnten die beiden Vermissten nicht gefunden werden. So ist davon auszugehen, dass sie den Absturz nicht überlebt haben. Unser tiefstes Mitgefühl gilt daher den Familien, Angehörigen und Freunden der verstorbenen Teammitglieder.

Dynafit Double8 – Expedition mit traurigem Ausgang

Knapp vier Wochen hatte sich die Double8 Expedition im Advanced Bascecamp auf rund 5.600 Meter zur Akklimatisation aufgehalten. Ein erster Versuch scheiterte bereits am 19. September 2014 aufgrund zu anstrengender Spurarbeit und akuter Lawinengefahr. Am 23. September 2014 folgte der zweite Versuch, dem sich kurzfristig auch der Schweizer Bergsteiger Ueli Steck angeschlossen hatte. Auf einer Höhe von 7.900 Metern, knapp 100 Meter unterhalb des Gipfels, wurden Basti Haag, Andrea Zambaldi und Martin Maier von einer Lawine erfasst und ca. 600 Meter über steile Gletscherflächen mitgerissen. Maier konnte sich dabei noch selbst befreien, während von den beiden anderen Expeditionsteilnehmern seitdem jegliche Spur fehlt. Die Ereignisse riefen sofort die Erinnerung an das tragische Lawinenunglück am Manaslu wach, dem Benedikt Böhm und Basti Haag im Jahr 2012 nur durch glückliche Umstände entgangen waren.

Unmittelbar nach dem Unglück bzw. nach Absetzen des Notrufs ins Basecamp leiteten Böhm und Steck einen Rettungsversuch ein, der jedoch nach vier Stunden erfolglos abgebrochen werden musste – der Bereich des Lawinenabgangs galt als weitestgehend unzugänglich und ein weiteres Vordringen wäre schlichtweg zu gefährlich gewesen. Nach Abstimmung mit den Expeditionsmitgliedern vor Ort – insbesondere mit Norbu Sherpa, dem Organisator der Expedition  – sowie international erfahrenen Rettungsspezialisten in Europa ist neben der Rettung auch eine Bergung daher nahezu auszuschließen. So gilt bei Bergabbrüchen von mehreren hundert Metern der Zugang als schier unmöglich, da sich die Rettungs- und Bergungsteams aufgrund von kontinuierlichem Eis- und Steinschlag sowie der akuten Lawinengefahr einem zu großen Risiko aussetzen würden. Dennoch wurden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um doch noch eine Bergung zu ermöglichen. Erschwerend kommt hinzu dass das Gebiet in einer militärischen Flugverbotszone liegt und es darüber hinaus in Tibet an einer nötigen Infrastruktur fehlt, um solch eine Bergung überhaupt vornehmen zu können.

Shisha Pangma (8.027m) – „der Platz der Heiligen“

Der Shisha Pangma – zu Deutsch „der Platz der Heiligen“ – ist der einzige 8.000er, der gänzlich im autonomen Gebiet Tibet im Langtang-Himal liegt. Im Tibetischen bedeutet Shisha Pangma auch soviel wie „der Bereich bzw. der Gipfel (shi sha) oberhalb der Gras bewachsenen Ebene“ und gilt im übertragenen Sinne als „der Kamm über Weiden“. Diese Beschreibung entspricht genau dem, was sich dem Betrachter bei der Anfahrt aus dem Norden eröffnet. Mit seinen beiden Gipfeln (Zentralgipfel mit 8.013m und dem Hauptgipfel mit 8.027m) ist der Shisha Pangma der niedrigste der insgesamt 14 Achttausender. Der größte Teil der Route bewegt sich auf gut 30° steilen Schnee- und Eisflanken, die kurzzeitig deutlich aufsteilen bzw. mitunter von Felsen durchsetzt sind. Die relativ lange Distanz vom Basecamp bis zum Gipfel macht die Shisha Pangma fast zu einem idealen Berg für einen Aufstieg und eine Abfahrt mit Ski.

Offizielles Statement von Benedikt Böhm aus dem Basecamp

Am Nachmittag des 23.09.2014 um 16.30 starteten Benedikt Boehm (37) und Ueli Steck (38) vom Basecamp (5.600m) aus die Speed Begehung auf den Shisha Pangma 8013m. Ihr Plan war, am Morgen des 24.9.2014, gemeinsam mit den Teammitgliedern Sebastian Haag (36), der von Camp 1 (6.300m) aus startete und Martin Maier (40) und Andrea Zambaldi (32), die beide von Camp 2 aus starteten (6.800m), den Gipfel zu erreichen.
Wie geplant haben sie Haag um 20:00 am Camp 1 getroffen und sind zusammen weitergegangen. Zur selben Zeit sind Maier und Zambaldi am Camp 2 (6.800m) in Richtung Gipfel gestartet. Die fünf Bergsteiger sind um 01:00 am 24.09.2014 unterhalb von Camp 3, auf circa 7.100 m, zusammengetroffen und haben Lager 3 um 02:00 erreicht.
Als erste Bergsteiger über Camp 2 hat das Team kontinuierlich Spurarbeit leisten müssen. Um 6:50 befand sich das Team ca. 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Die Zuversicht und Motivation waren hoch, da das Team gut zusammenarbeitete und sich zusammen vorwärts nach oben bewegte. Das Team war sicher um 08:00 den Gipfel zu erreichen.
Um 06:55 (Nepalesische Zeit) wurden Haag, Zambaldi und Maier auf 7.900m, knapp 100 m unterhalb des Gipfels, von einer Lawine erfasst. Sie wurden ca. 600 Höhenmeter über steile Gletscher und in einen anderen Bereich des Hanges nach unten gerissen.
Boehm und Steck haben umgehend das Basecamp um Hilfe und Unterstützung gebeten, während sie auf der Aufstiegsroute in Richtung Camp 3 abgestiegen sind, um die Lawinenzone zu durchqueren und nach den drei Bergsteigern zu suchen. Über vier Stunden lang haben sie versucht von verschiedenen Seiten in die Lawinenzone zu gelangen, aber sie mussten schließlich umkehren, da der Zustieg nicht möglich war.    
Am Morgen des 25.09.2014 konnte Maier, der selbständig Camp 3 erreicht hat, von einem Sherpa Rettungsteam bei Bewusstsein in Empfang genommen werden und ist auf dem Weg ins Basecamp. Haag und Zambaldi sind von der Lawine verschüttet und konnten nicht gefunden werden.“
Bezüglich der geleisteten Rettungsmaßnahmen gilt der Dank dem Sherpa Rettungsteam und der spanischen Expedition sowie deren Expeditionsarzt, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Basecamp aufgehalten haben.
Quelle: Dynafit