Testbericht – Scott Speed Carbon RC & Pursuit: Ultraschnelle und leichte Straßenlaufschuhe mit neuartiger Rocker-Sohlentechnologie

von | 28. Oktober 2021 | Allgemein, Testberichte_neu, Trailrunning_neu

Scott Sports zählt nicht gerade zu den bekannten Sportmarken, die sich im Bereich Straßenlauf einen Namen gemacht haben. Dort verortet man dann doch eher die Platzhirschen wie Asics, Nike oder andere Hersteller. Dennoch haben es sich die Schweizer mit US-amerikanischen Wurzeln nicht nehmen lassen, ihre bereits vorhandene Expertise aus dem Trailrunning-Bereich auch für die Entwicklung von Laufschuhen für asphaltierte Wege zu nutzen. Gut zu wissen in diesem Zusammenhang: Scott gehörte zu den Pionieren was den Carbon-Rahmenbau bei Renn- und Triathlonrädern betrifft.

Das Ergebnis sind hochperformante Straßenlaufschuhe, die vor allem durch ihr extrem niedriges Gewicht und optimale Energieeffizienz glänzen sollen. Wir sind zwar eher selten auf Asphalt unterwegs, aber fürs generelle Allround-Training sind wir für euch in zwei der neuen Modelle hineingeschlüpft. Neben dem aktuellen Aushängeschild, dem Scott Speed Carbon RC, haben wir mit dem Scott Pursuit auch eine „abgespeckte“ Variante ins Rennen geschickt.

SCOTT Speed Carbon RC – leichter und griffiger Laufschuh für schnelle Marathonis und Straßenläufer

Der SCOTT Speed Carbon RC ist der erste Laufschuh im Programm der Schweizer mit dynamischer Carbonplatte in der Sohle und laut Aussagen der Entwickler ein völlig neuartiger Straßenlaufschuh. Die Technologie fußt dabei auf mehr als 10 Jahren Forschung und Entwicklung, um einen der schnellsten Straßenlaufschuhe auf den Asphalt zu bringen. Für maximale Performance und ordentlich Speed soll nicht nur eine integrierte CARBITEX DFX Dynamic Carbon-Platte sorgen, die über eine besonders dynamische Flexibilität verfügt und bei erhöhter Geschwindigkeit mit erhöhter Steifigkeit reagiert und beim Gehen flexibel bleibt.

Mehr Kraft und Effizienz sowie optimale Bewegungsfreiheit versprechen auch der leichte Kinetic Light Foam mit extra hohem Rebound und der ER2 Rocker-Geometrie der Zwischensohle, um die aufgewendete Energie aktiv zurückspielen. Auch eine Performance-Lasche soll Ihren Teil dazu beitragen.

Darüber hinaus wird der Fuß in ein leichtes und atmungsaktives Mesh eingepackt, das zusammen mit dem Internal Fit System unangenehme Druckstellen minimieren soll. Unterstützt noch durch TPU-Verstärkungen für optimale Stabilität. Hinzu kommt noch eine strategisch platzierte Speed Traction Laufsohle, um die Kraft auf direkteste und effizienteste Weise auf die Straße zu bringen und für ausreichend Traktion im Vorfußbereich zu sorgen. Das Ergebnis ist ein längeres, schnelleres und komfortableres Laufvergnügen auf festen Untergründen wie asphaltierte Straßen oder Schottertwege.

Das aF-Testurteil von Tobi: Der Scott Speed Carbon RC – der perfekte Schuh für schnelle Laufeinheiten auf Asphalt und Forststraßen, die gerne auch mal länger ausfallen dürfen.

Schon beim Auspacken strahlt einem der n Scott Speed Carbon RC mit seiner auffälligen, neongelb leuchtenden Farbe entgegen. Auffallend ist bei der ersten Begutachtung des Schuhs auch gleich das hauchdünne, sehr atmungsaktiv wirkende Obermaterial, mit dem natürlich das ein oder andere Gramm eingespart werden soll. Auch der Fersenbereich ist sehr minimalistisch gehalten und verzichtet im Gegensatz zu stabileren Trailmodellen auf weitere Stützelemente, um so das Gewicht noch weiter zu reduzieren. Trotz dieser Maßnahmen hatte ich mit einem noch geringeren Gewicht gerechnet – bei der Referenzgröße 43 bringt der Speed Carbon RC stolze 240 g auf die Waage, etwas zu viel, um mit den großen Marken aus den USA und Herzogenaurach mithalten zu können.

Dieses „MEHR“ an Gewicht macht sich jedoch positiv beim ersten lockeren Warmlaufen bemerkbar. Anders als bei reinrassigen (Carbon-)Straßenracern lässt sich der Speed Carbon RC auch sehr gut bei gemütlichem Tempo laufen, jedoch ist bei solcher Pace keinerlei Unterstützung durch den Foam und der Platte spürbar. Erst wenn das Tempo flotter wird und der Laufstil Richtung Mittelfuß verändert wird, spürt man die reaktive Kraft der beiden Komponenten. Das Geheimrezept lautet hier Carbitex – eine flexible Carbonfaserplatte, die in die Zwischensohle des SCOTT Speed Carbon RC integriert ist. Beim Laufen erhöht sich dynamisch die Steifigkeit der Platte, um den Lauf zu beschleunigen. So profitiert man von mehr Kraft und Effizienz und kann länger schneller laufen. Beim Gehen bleibt das Element dagegen flexibel, um die Beweglichkeit nicht einzuschränken. Insofern ist das Einsatzspektrum des Modells schon mal deutlich breiter gefasst und wird folglich ambitionierte Hobbyläufer sowohl als Trainings- als auch als Wettkampfschuh ansprechen.

Die Dämpfung des Schuhs ist ingesamt sehr angenehm. Nicht zu weich, sondern eher dynamisch straff und ausreichend komfortabel für lange Trainingseinheiten. Daher ist dieses Modell auch für all jene interessant, die im Sommer gerne auf Ultratrails unterwegs sind und für die Offseason einen Schuh suchen, mit dem sowohl Tempoläufe als auch längere Läufe mit Anteilen im Wettkampftempo im flachen Gelände absolviert werden können. Dank des dünnen Obermaterials ist eine ausreichende Belüftung gegeben, daher empfand ich das Fußklima als sehr angenehm.

Positiv überrascht war ich zudem von der Performance auf Schotterpisten – der Schuh bietet hier in meinen Augen noch genug Stabilität und Grip und hat sein Einsatzgebiet wie manch anderer Carbonschuh nicht nur auf Asphalt. Sobald es dann mit dem Schuh auf erste leichte Trails geht, ist jedoch sprichwörtlich „Ende Gelände“. Hier macht sich dann doch die minimalistische Bauweise, der niedrige Schaft und die einfach gehaltene Schnürung bemerkbar und die Ferse neigt dazu, zu „schlupfen“. Dieses „Schlupfproblem“ gab es zudem immer dann, wenn der Schuh nicht optimal geschnürt worden ist. Dies ließe sich möglicherweise durch einen etwas höherem Fersenschaft reduzieren, um so auch bei längeren Einheiten dauerhaft einen festen Halt zu gewährleisten.

Gerade für Menschen mit breiten Füßen gestaltet sich die Suche nach passenden Laufschuhen nicht immer einfach. Der Scott Speed Carbon RC ist meiner Meinung nach auch perfekt für Laufsportler mit Spreiz-Senkfuß, da er genug Platz in der Zehenbox bietet, um Druckstellen zu vermeiden. Ohne dabei an Stabilität und Kraftübertragung einzubüßen. Neben dem oben angesprochenen, breiten Einsatzgebiet eignet sich der Schuh auch aufgrund des relativ „niedrigen Anschaffungspreises“ und der längeren Laufleistung als vergleichbare Carbonmodelle, für ambitionierte Hobbyläufer oder den Trainingseinsatz. Denn trotz der erst einmal viel klingenden 179 € liegt der UVP noch deutlich unter den Preisen für reinrassige Carbonmodelle anderer Anbieter.

Das Gesamtfazit – die Vor- und Nachteile im Überblick:

Mit dem Scott Speed Carbon RC verbaut die Schweizer Marke erstmals in einem ihrer Laufschuhe eine Carbonplatte und möchte so auch im Straßenlaufbereich Fuß fassen. Bei dieser Premiere haben die Entwickler von Scott meiner Meinung nach viel richtig gemacht, können jedoch an dem einen oder anderen Punkt noch etwas nachjustieren. Positiv hervorheben möchte ich an dieser Stelle das breite Einsatzspektrum des Schuhs. Sowohl lange Läufe als auch Tempo- bzw. Intervalleinheiten macht der Speed Carbon RC ohne Probleme mit und tut sich auch nicht schwer damit, mal gemütlichere Runden zu drehen.

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Somit kann das Modell sowohl im Training als im Wettkampf Verwendung finden – auch wenn bei Rennen zu vergleichbaren Carbonschuhen noch das letzte Etwas fehlt. Wer sich jedoch nicht zwei separate Schuhpaare für Training und Wettkampf zulegen möchte, dem sei der Schuh nur wärmstens ans Herz gelegt. Mit dem Speed Carbon RC ist zudem auch ein Ausflug auf Forst- und Schotterstraßen möglich, Läufe auf Trails würde ich jedoch nicht empfehlen, da hier einfach die nötige Stabilität im Fersenbereich fehlt.

+ Angenehme Dämpfung
+ Sowohl im langsamen und schnellen Tempo laufbar
+ Ausreichender Grip für Schotterpisten
+ Breit geschnitten
+ Angenehmes Fußklima

– Schlechter Fersenhalt

Die Details:
Besonderheiten: Leichtes Mesh mit TPU-Obermaterial, ER2 – Evolved Rocker Technologie, hochentwickelte Performance-Lasche
Material:
Ovbermaterial aus Mesh und thermoplastischem Polyurethan, Sohle aus Ethylen-Vinylacetat, Carbonfasern und Gummi
Sprengung: 5mm (Ferse 30 mm auf Vorderfuß 25 mm)
Außensohle: Speed Traction Rubber
Zwischensohle: Dual-Density Kinetic Light Foam mit integrierter Carbitex DFX Platte
Größen: US 7–13 / EU 40 – 47 1/2
Farben: Yellow/White
Gewicht: 240g (bei Gr. 42)
Preis: 179,95 Euro (UVP)

SCOTT Pursuit – leichter und atmungsaktiver Performance-Laufschuh für mehr Effizienz auf der Straße

Der Scott Pursuit ist quasi die abgespeckte Version des Speed Carbon RC, die ohne die integrierte Carbon-Technologie daherkommt. Der leistungsstarke Performance-Laufschuh für die Straße bringt somit fast alle Eigenschaft mit, die auch die Carbon-Version besitzt. Dynamisch, leicht und schnell soll auch beim „kleinen Bruder“ die neue ER2-Rocker-Geometrie in Kombination mit dem durchgehenden Kinetic Light Foam und der Performance Lasche für eine optimale Laufeffizienz sorgen. Hinzu kommt ein Ortholite ECO X-40 Fußbett mit integrierter Ballenstütze für dauerhaft hohen Tragekomfort.

Ergänzt wird das leichte Gesamtkonzept durch speziell zur Gewichtseinsparung entwickelten Speed Traction Laufsohle, die mit ihrer strategisch platzierten Gummierung im Vorfußbereich die Kraft auf die direkteste und effizienteste Weise auf die Straße bringen soll. Mit dem Ziel, jeglichen Kraftverlust bestmöglich zu vermeiden. Die wohl größten Unterschiede zeigen sich bei der Sprengung und im Gewicht. So ist der Pursuit rund 10 Gramm schwerer und weist mit 8mm Sprengung ein größeres Gefälle von der Ferse zur Zehe auf als die Carbon-Version.

Das af-Testurteil von Markus: Leichter Everyday-Straßenlaufschuh mit Rocker-Shape-Technologie, reaktiver Dämpfung und angenehmer Passform

Leicht ist er, der Scott Pursuit. Und schnell! Was sofort auffällt, wenn man in den Performance-Laufschuh hineinschlüpft, ist aber in erster Linie dessen bequeme Passform und der verhältnismäßig hohe Stand. Dennoch wird der Fuß am Schaft sauber eingefasst, sodass man solide auf der Laufsohle steht und nicht kippelt. Für noch besseren Sitz kann die Schnürung gezielt und Zone für Zone individuell angepasst werden. Auch die Zunge hat eine angenehme Dicke, einzig die Verbindung zum Schaft fehlt wie sie bei der Carbon-Version besteht, um ein Verrutschen zu verhindern. Ausreichend Platz im Vorfußbereich sorgt zudem dafür, dass sich selbst etwas breitere Füße in der Zehenbox nicht eingeengt fühlen. Dazu trägt sicher auch das recht grobporige Mesh-Material des Oberschuhs bei, das an bekannte Strickschuh-Konzepte erinnert. Zugleich sorgt es im Vorfußbereich dafür, dass je nach Geschwindigkeit mitunter etwas die Führung fehlt – vor allem bei schmaleren Füßen. Dadurch ist der Straßenlaufschuh entsprechend leichtgewichtig, superbequem und atmungsaktiv – ideal für schnelle Runden an wärmeren Tagen.

Anfangs fühlt sich der aufgebogene Rocker-Shape der gut gedämpften Zwischensohle etwas gewöhnungsbedürftig an. Denn allein wegen der 8mm Sprengung hat man immer ein wenig das Gefühl in einer Art Startblock zu stehen. Das sorgt natürlich für einen gewissen Vortrieb und ein rundes Abrollverhalten auf gerader Strecke. Sobald diese jedoch in eine leichte Steigung übergeht, wird man durch die Laufsohle trotz des kaum vorhandenen Profils gefühlt etwas ausgebremst, da nun die Wölbung im Mittelfußbereich immer erst zu überwinden gilt. Mit etwas Übung und einem entsprechend angepasstem Laufstil lässt sich allerdings auf Dauer einiges rausholen.

Aber sonst sorgt die Sohle tatsächlich für ein effizienteres Dahinrollen und dank der nicht allzu weichen, dynamischen Dämpfung für weniger Belastung auf den Gelenken. Aufgrund der nur teilweisen Gummierung der Außensohle stellt sich allerdings die Frage, wie haltbar sich der Schuh dauerhaft auf Schotter (Feldwege, Waldwege) bzw. gröberen Untergründen zeigt. Auf Asphalt ist der Grip auf jeden Fall gut. Einziger Kritikpunkt beim Scott Pursuit ist die fehlende Verstaumöglichkeit für die Schnürsenkel und die mitunter etwas hakelige Schnürung aufgrund der Doppelösen. Ansonsten ist es ein wunderbar zu tragender Straßenlaufschuh für asphaltierte Wege und kurze Abstecher auf Feld- und Wiesenwege.

Das Gesamtfazit – die Vor und Nachteile im Überblick:

Mit dem Scott Pursuit kann man eigentlich kaum etwas falsch machen, sofern man bevorzugt auf befestigten Wegen bleibt. Dabei überzeugt der Straßenlaufschuh vor allem durch sein leichtes Gewicht, seine hervorragende Passform und die hohe Atmungsaktivität. Die Rocker-Geometrie der Laufsohle ist anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig, sorgt auf Dauer aber in der Tat für ein effizienteres, energiesparenderes und gut gedämpftes Laufvergnügen.

+ sehr gut verarbeitete Qualität
+ sehr robustes Mesh-Obermaterial
+ hervorragender Grip und top Traktion
+ leicht und dennoch gute Stabilität
+ guter Tragekomfort und Passform selbst für etwas breitere Füße

– keine Verstaumöglichkeit für Schnürsenkel
– keine seitlich vernähte Schuhzunge

Die Details:
Besonderheiten: ER2 – Evolved Rocker Technologie, hochentwickelte Performance-Lasche
Material:
Obermaterial aus speziell entwickeltem Mesh-Material und thermoplastischem Polyurethan, Sohle aus Ethylen-Vinylacetat und Gummi
Sprengung: 8mm (Ferse 30 mm auf Vorderfuß 22 mm)
Außensohle: Speed Traction Rubber
Zwischensohle: Durchgehender Kinetic Light Foam mit Ortholite ECO X-40 Fußbett und integrierter Ballenstütze
Größen: US 7–13 / EU 40 – 47 1/2
Farben: Yellow/Black, Torm Blue/Bright Orange
Gewicht: 250g (bei Gr. 42)
Preis: 159,95 Euro (UVP)

*Hinweis der Redaktion zur Kennzeichnungspflicht: Die hier getesteten bzw. vorgestellten Produkte wurden uns vom jeweiligen Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt. Über den Produktwert hinaus flossen keine weiteren Zahlungen oder Gegenleistungen. Das Urteil der Redaktion ist dennoch unabhängig und die spezifischen Marken haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte des Testberichts.