Testbericht – The North Face Flight VECTIV™: Schneller Trailschuh mit innovativer Carboneinlage und Rocker-Shape

von | 29. Mai 2021 | Allgemein, Testberichte, Trailrunning

Pünktlich zum Start ins Jahr 2021 präsentierte The North Face mit der VECTIV™ Technologie ein neues Footwear System, das speziell für die für die Anforderungen von Trailrunnern und Wandersportlern in technisch anspruchsvollem und alpinem Gelände entwickelt wurde. Hinter der revolutionären Carbonfaser-Sohlentechnologie verbergen sich rund zwei Jahre Forschung und Entwicklung, knapp 10.000 Test-Kilometer durch Athleten und nachweisbare Erfolge bei Wettbewerben. Das Ergerbnis sind acht Lauf- und Wanderschuhmodelle mit einer Preisspanne zwischen 130 und 200 Euro (UVP), die Belastungen maßgeblich reduzieren und Energie maximieren sollen.

© The North Face

Ein Aushängeschild der VECTIV™ Footwear-Serie ist der Flight VECTIV™. Ein Premium-Modell für Trail- und Bergläufer, das ist seit Januar im Handel erhältlich ist und laut unabhängigen Produktforschungsunternehmen die Stoßwirkung auf die Schienbeine beim Bergablaufen um 10 Prozent reduzieren und ein zusätzliches Plus an Laufkilometern ermöglichen soll, ohne dabei die Belastung zu erhöhen. Wir waren mit dem innovativen Trailschuhen für euch im Gelände unterwegs. So viel vorweg: „It really rocks“!

The North Face VECTIV™ Flight – Laufschuh mit einzigartigem Rocker-Shape und innovativer Carbonfaser-Sohlentechnologie für ambitionierte Skyrunner

Direkt unter einem leichten, komfortablen und schützenden Mesh-Obermaterial befindet sich die VECTIV™ Sohlenkonstruktion, die aus einer 3D VECTIV™ Carbonplatte, einer fein abgestimmten VECTIV™ Rocker Zwischensohle mit zwei unterschiedlich gehärteten Schaumstoffen und der SurfaceCTRL-Laufsohle mit einem 3,5 mm Stollenprofil besteht. Diese einzigartige Konstruktion soll laut Stabilität und Stoßdämpfung, ohne Kompromisse bei der Energieeffizienz einzugehen. Ursprünglich für Straßenlaufschuhe vorgesehen, hat The North Face die Carbonfaser- und Verbundplatten-Technologie nun auch in ausgewählte Trailrunning- und Wanderschuhe integriert.

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Einer dieser Modelle ist der „Der Flight VECTIV™. Ein laut der Entwickler schneller, leichter und reaktionsfreudiger Laufschuh, der von 14 Athleten getestet wurde und mit dem bereits 17 Rekorde aufgestellt worden sind. Durch das stromlinienförmige Obermaterial sollen die Schuhe wie eine zweite Haut sitzen. Mit einem Höhenunterschied von 6 mm zwischen Zehen und Ferse sorgt der Vectiv Flight für einen gewaltigen Vortrieb. Dabei fühlt sich das Modell aber nicht nur schnell an, sondern soll auch echte Stabilität und Grip auf Bergabpassagen bieten. Für Ultradistanzen geschaffen, soll der Schuh zudem unglaublich robust und abriebfest sein. Dafür sorgt ein Material-Mix aus Kevlar®, Polyamid und Matryx®, die zusätzlich verstärkte Zehenbox und eine 3D-geformte Fersenkappe. Die sockenartige Passform ist demnach sehr angenehm und sorgt für einen hohen Tragekomfort, wobei das Strick-Obermaterial sowohl atmungsaktiv als auch stützende Eigenschaften aufweist.

Der Flight Vectiv von The North Face eignet sich demnach ideal für Wettkämpfe und für Vor- und Mittelfußläufer. Denn die VECTIV-Sohlenkonstruktion soll die Energie direkt auf den Trail übertragen und in ungebändigten Vortrieb verwandeln. Dabei sorgt die integrierte Carbonfaser-Platte für eine maximale Energierückgewinnung und katapultiert den Läufer regelrecht nach vorne. Zusammen mit der ausgeprägten Rocker-Form der Zwischensohle ist man somit bergauf wie auch bergab und in flachen Passagen jederzeit richtig schnell unterwegs. Indem die Carbon-Platte auch seitliche Stützung bietet, ist der Fuß wie in einem Rennfahrersitz fixiert und sorgt somit auch in technischem Gelände für optimale Traktion.

Das af-Testurteil von Veit: Trailschuh mit gewöhnungsbedürftigem Abrollverhalten, bequemer Passform und explosionsartiger Schubleistung

Der Flight Vectiv von The North Face ist alles andere als ein gewöhnlicher Laufschuh. Das wird schon auf den ersten Blick klar. Die stark vorgebogene Zwischensohle im Rocker-Shape erinnert zwar erst einmal an die bekannten MSN Gesundheitsschuhe, steckt man aber erst einmal in den „Trailbombern“ wird sofort klar, worum es eigentlich geht: Zeitrekorde! Aber nochmal auf Anfang. Ein weißer Strickschuh mag zunächst alles andere als einladend wirken für Trailrunner, die gerne auch mal auf schlammigem Untergrund über Stock und Stein ballern. So erscheint Strick in Kombination mit einer abgerundeten Laufsohle und in dieser Farbvariante per se als die denkbar schlechteste Kombination. Doch einmal hineingeschlüpft, entpuppt sich der Vectiv Flight als regelrechter Senkrechtstarter und geht ab wie eine Rakete.

Nach wenigen Kilometern wird dann auch klar, wieso die Sohle rechts und links etwas härter gehalten ist. Denn bei dem hohen Tempo braucht es sprichwörtlich ein paar ordentliche Schalensitze, damit es einen nicht bei jeder Kurve hinaus katapultiert. Der Vectiv Flight ist der absolute Sportwagen unter den Trailschuhen. Ein ziemlich teurer zwar, aber wer den schnellsten Athleten nicht immer nur hinterherlaufen mag, der sollte sich in diesen Schuh hineinzwängen. Denn der Einstieg fällt aufgrund des sockenartigen Aufbaus nicht ganz so leicht aus, wie bei anderen Trailschuhen. Ein kleiner Nachteil ist das dadurch mögliche Verknittern der Laufsocken, was sich spätestens nach ein paar abgespulten Kilometern bemerkbar machen kann. Alles ordentlich zurechtgezupft, rollt der Vectiv Flight aber sprichwörtlich dahin.

Auffällig ist der enorme Vortrieb, den der Trailschuh nicht nur wegen seiner Sprengung von 6mm auf den Untergrund bringt. Egal ob auf ebener Strecke oder bergauf, der Vectiv Flight zieht bzw. katapultiert die Füße regelrecht nach vorn. Das liegt vor allem an der neuen Carbon-Technologie. Nichts Neues, denkt man mit Blick auf die im Alpine Pro von Dynafit verbaute Carbon-Platte. Allerdings sorgt die Innovation der Entwickler von The North Face nicht nur für einen optimalen Schutz vor Stößen und spitzen Steinen, sondern vor allem für einen enormen Energieschub. Grund sind die physikalischen Eigenschaften von Carban, das leicht und verwindungssteif dafür sorgt, dass die beim Abdrücken investierte Energie zumindest teilweise zurückgewonnen bzw. um ein paar Prozentpunkte intensiver eingesetzt wird. Ich vergleiche es mal mit einer solchen Wurfvorrichtung zum Katapultieren von Bällen für Hunde, bei denen die Energie des Wurfarms potenziert wird und der Ball deutlich weiter fliegt. Die abgerundete Sohle im Rockershape ermöglicht zudem einen energiesparenden Laufkomfort.

Ein anfangs doch recht ungewohntes Laufgefühl, dass sich im Gelände als überraschend effizient entpuppt. Nie hat man das Gefühl, irgendwie die Kontrolle zu verlieren. Lediglich in sehr technischem Terrain und in verblocktem Gelände stößt das gestrickte Obermaterial an seine Grenzen. Dennoch kann der Oberschuh ausreichend Stützfunktion und Traktion geben, dass man weder leicht umknickt, noch schwammig im Schuh steht. Dafür sorgt der überaus robuste und atmunsgaktive Materialmix, der im Mittelfußbereich etwas fester gehalten ist, um die nötige Stabilität zu gewährleisten. Zusätzliche stützt auch die verstärkte Fersenkappe in Kombination mit dem weichen Polster am Schaft, die ein Herausschlupfen verhindern soll. Das Ergebnis ist eine wirklich geniale Passform auch für etwas breitere Füße, da das Strickmaterial eine gewisse Flexibilität bietet. Vor allem für längere Distanzen eine dankbare Eigenschaft, da die Füße auf Dauer anschwellen und somit etwas mehr Platz haben als in herkömmlichen Laufschuhen.

Der Vectiv Flight wird vor allem für Skyrunner empfohlen, soll aber auch auf der Langstrecke überzeugen können. Ich selbst bin auf der bisher längsten Strecke immerhin 16km damit unterwegs gewesen und habe mich dabei jederzeit rundum wohl gefühlt. Durch die Carbon-Platte ist der Schuh aber deutlich strammer gedämpft als bei einem Hoka mit vergleichbarer Sohlendicke. Dennoch fielen die Ermüdungserscheinungen meiner Beine vergleichbar aus. Inwiefern sich die doch recht starre Carbon-Platte langfristig auf die Muskulatur und Knockenstruktur der Füße auswirkt, muss der Langzeittest erst noch zeigen.

Gesamtfazit – die Vor- und Nachteile im Überblick:

Der Vectiv Flight ist ein echter Antreiber – und ein enorm leichtgewichtiger dazu. Selbst wenn man mal einen schlechten Tag hat oder gar keinen Bock zum Laufen, pusht einen der Trailschuh regelrecht den Berg hinauf und sorgt für ordentlich Vortrieb. Als waschechter Sportwagen unter den Laufschuhen die ideale Wahl für alle, die neue Bestzeiten ins Visier nehmen und endlich ganz vorn mitlaufen wollen. Allerdings zu einem überdurchschnittlich hohen Preis. Ob dieser wirklich gerechtfertigt ist und ob das scheinbar doch sehr robust wirkende Obermaterial auch lang genug durchhält, wird sich noch zeigen müssen. Eines steht auf jeden Fall fest: Für ambitionierte Laufsportler, die auf der Kurz- oder Langstrecke mit maximalem Komfort und weniger Energieaufwand viel erreichen wollen, sind sie jeden einzelnen Cent wert.

+ guter Grip bei allen Bedingungen
+ trotz weichem Oberschuh relativ gute Traktion
+ bequemer Tragekomfort
+ atmungsaktives Strick-Material für perfektes Fußklima
+ extremer Vortrieb und Energie
+ moderate Dämpfung mit guter Schockabsorbierung

– recht schmale und steifer Leisten
– eignet sich eher weniger für die Langstrecke
– gewöhnungsbedürftiges Abrollverhalten
– sehr hoher Anschaffungspreis

Die Details:
Besonderheiten:
VECTIV™ Sohlentechnologie, Strickschuh mit Verstärkungen an Fußspitze und Ferse
Material:
Verstärktes und atmungsaktives Strickgewebe aus Synthetik sowie Matryx und Aramid
Sohle: Rocker Geometry, SurfaceCTRL mit 3,5 mm Stollenprofil, Zwischensohle mit VECTIV 3D Fiber-Carbon Platte
Sprengung: 6 mm
Gewicht: ca. 285 Gramm (570 g pro Paar bei Größe EU 43)
Größen: EU 39 – 47
Preis: 199,95 Euro (UVP)

*Hinweis der Redaktion zur Kennzeichnungspflicht: Die hier getesteten bzw. vorgestellten Produkte wurden uns vom jeweiligen Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt. Über den Produktwert hinaus flossen keine weiteren Zahlungen oder Gegenleistungen. Das Urteil der Redaktion ist dennoch unabhängig und die spezifischen Marken haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte des Testberichts.